Eine Woche an der Mosel

Eine Woche an der Mosel war eigentlich nicht geplant, dann ist sie passiert. Markt am Donnerstag, Gewitter am Freitag, ein Mann namens Werner am Samstag. Sonst nicht viel.

Wir stehen seit Dienstag am Wohnmobilstellplatz in Bernkastel-Kues, am linken Ufer kurz unterhalb der Brücke. Mosel direkt vor der Schiebetür, das ist schon was wert. Bello sitzt morgens am Wasser und schaut den Booten zu, die vorbeifahren. Er glaubt, jedes Boot habe irgendwie mit ihm zu tun.

Donnerstag, Markt

In Bernkastel ist Donnerstag Markttag. Ich bin morgens hin, Bello an der kurzen Leine, was ihm nicht gefallen hat. Ich habe Brot gekauft, einen Käse, ein paar Tomaten von einer Frau, die mit niemandem reden wollte. Auf dem Rückweg habe ich an einem Stand mit Weinen kurz gehalten. Ein Glas Riesling zu probieren steht da angeschrieben für zwei Euro fünfzig, und ich dachte, gut.

Der Wein war besser als ich erwartet hatte. Ich kann nicht genauer sagen warum, ich habe von Wein eher wenig Ahnung. Aber er war anders als das, was ich bisher gehabt habe. Ich habe eine Flasche gekauft. Sie steht jetzt im Kühlschrank und wartet auf einen besseren Anlass als heute.

Freitag, Gewitter

Am Freitagabend kam ein Gewitter, von dem in der Wettervorhersage nicht viel stand. Erst leichter Regen, dann ein Donnerschlag, der Bello erst fragend, dann verärgert reagieren ließ. Er hat sich unter die Sitzgruppe gelegt und ist da bis Mitternacht geblieben.

Ich habe am Klapptisch gesessen, die Heizung leise auf Stufe eins, und gesehen wie der Fluss draußen unter den Blitzen aufleuchtete. Zwei, drei Sekunden lang sah die Mosel aus wie ein silbernes Band. Dann wieder dunkel.

Samstag, Werner

Am Samstagvormittag ist ein älterer Camper vor uns aufgefahren, ein Eura Mobil von vielleicht 2010, gut gepflegt. Der Mann ist ausgestiegen, hat den Hut abgenommen, gegrüßt, dann gefragt, ob er bei mir um die Ecke schauen darf. Werner, sechsundsiebzig, aus Wuppertal.

Wir haben dann anderthalb Stunden geredet. Über Camper, die wir mal hatten, über die Strecke nach Italien, die ihn nicht mehr reizt. Er hat erzählt, dass er seit zehn Jahren allein fährt, vorher mit seiner Frau, die jetzt nicht mehr kann. Es klang nicht traurig, eher sachlich.

Bello hat Werner einmal beschnuppert und dann beschlossen, er sei in Ordnung. Werner hatte einen Hund dabei, einen kleineren, ich habe den Namen nicht behalten.

Am Abend sind wir beide getrennt voneinander an der Mosel gestanden, keine zehn Meter auseinander, und haben in die gleiche Richtung geschaut. Niemand hat dabei etwas gesagt.

Was jetzt

Heute ist Sonntag, und ich glaube, wir bleiben noch einen Tag. Der Stellplatz ist voll geworden über das Wochenende, aber morgens ist es trotzdem ruhig. Bello liegt schon wieder am Wasser und kontrolliert, welches Boot heute zuerst kommt.

Vielleicht öffne ich den Wein morgen Abend. Mal sehen, ob er dann noch genauso schmeckt wie am Donnerstag.