Langsamer Juli, Dänische Südsee

Bello mag das Meer doch nicht so sehr wie ich dachte. Ansonsten ist das hier ein ruhiger Juli mit viel Stillstand, mehr Wind als erwartet, und langen Abenden.

Langsamer Juli, Dänische Südsee

Wir sind jetzt seit ziemlich genau drei Wochen draußen. Erst Schleswig- Holstein, dann über Padborg nach Dänemark, dann mit der Fähre von Svendborg nach Ærø, wo wir gerade stehen.

Es ist heller als ich dachte, lange. Um zehn ist es noch nicht dunkel, und morgens um vier ist die erste Dämmerung schon da. Ich schlafe nicht besonders gut, aber das ist nicht weiter schlimm.

Bello und das Meer

Ich hatte das mit dem Meer anders erwartet. Ich dachte, Bello rennt durch den Sand, ins Wasser, wieder raus, freut sich. Das war meine Vorstellung.

Bello dagegen findet das Meer skeptisch. Er bleibt am Rand, schaut auf die Wellen, geht zwei Schritte rückwärts wenn eine kommt. Einmal hat er gebellt, als ihm Wasser über die Pfoten kam. Ich glaube, er hält das Meer für eine Art riesiges Tier, dem nicht ganz zu trauen ist.

Inzwischen liegt er einfach im Sand und schaut zu, wenn ich rein gehe. Das ist auch okay.

Bello am Strand, kurz nachdem eine Welle zu nah gekommen ist.
Bello am Strand, kurz nachdem eine Welle zu nah gekommen ist.

Stellplatz Marstal

Wir stehen auf einem kleinen Platz am Hafen von Marstal, vier Plätze, ich glaube wir sind hier seit fünf Tagen meist allein. Strom gibt es nicht, Wasser am Hafen. Das reicht.

Morgens stehen die Boote vor uns, mittags sind sie weg. Abends kommen sie zurück, oft drei oder vier hintereinander. Bello sitzt dann am Ufer und schaut. Er bellt nicht, er guckt nur. Vielleicht zählt er sie.

Was ich nicht erwartet hatte: wie viel Zeit man einfach so verbringen kann mit nichts. Ich sitze morgens zwei Stunden mit dem Kaffee, gehe mit Bello eine Runde, mache Mittag, lese ein bisschen, dann ist es schon Abend. Was ich früher im Büro in vierzig Minuten gemacht hätte, verteile ich jetzt über den ganzen Tag.

Stellplatz am Hafen Marstal. Mittags sind die meisten Boote draußen.
Stellplatz am Hafen Marstal. Mittags sind die meisten Boote draußen.

Telefonat

Gestern hat meine Tochter angerufen, abends gegen neun. Sie wollte wissen wo wir sind, und ob das hier mit dem Blog funktioniert. Ich habe gesagt, ich schreibe jetzt ungefähr ein Mal im Monat, mehr nicht. Sie hat gelacht und gesagt, das ist immer noch mehr als die meisten Leute.

Wir haben dann noch eine Weile geredet über ihre Arbeit und über nichts Bestimmtes. Bello hat in der Zeit drei Mal nachgesehen, ob es schon Abendessen gibt. Bekommt er dann gegen halb zehn. Mit Käse, weil heute Donnerstag ist.

Wetter

Es ist mehr Wind als ich dachte. Ærø hat keine großen Bäume, und wenn der Wind aus West kommt, kommt er ungebremst. Der Knaus wackelt manchmal nachts, aber er steht solide.

Abend auf Ærø. Kein Baum, viel Himmel, Wind aus West.
Abend auf Ærø. Kein Baum, viel Himmel, Wind aus West.

Morgen soll es regnen. Ich werde wahrscheinlich nicht weiterfahren, sondern hier bleiben. Mit der richtigen Tasse Tee ist Regen über dem Meer eigentlich gar nicht schlecht.