Drei Tage Regen im Sauerland

Ich habe mir das anders vorgestellt mit dem Herbst. Drei Tage Dauerregen am Stück. Aber irgendwann gewöhnt man sich an alles.

Ich habe mir das anders vorgestellt mit dem Herbst. Goldenes Licht, trockene Blätter, Wanderungen mit Bello durch frühe Sonne. Stattdessen regnet es jetzt seit Sonntagabend, heute ist Dienstag, und es soll noch bis Donnerstag so weitergehen.

Wir stehen in Niedersfeld auf einem Stellplatz neben einem Sportgelände. Drei andere Wohnmobile, alle älter als meiner. Niemand geht raus.

Was ich gemacht habe

Lesen. Ich habe ein altes Buch von meinem Vater dabei, das ich nie zu Ende gelesen habe, einen historischen Roman aus den siebziger Jahren. Es liest sich langsam, aber das passt.

Zwischendurch habe ich am Klapptisch gesessen und auf die Pfütze geschaut, die sich vor der Schiebetür bildet. Ich habe darüber nachgedacht, ob ich Gummistiefel brauche. Ich glaube ja, aber heute nicht.

Früher im Büro war es im Oktober auch grau. Aber dort saß ich unter Neonlicht und schrieb Vermerke. Hier sitze ich unter einer warmen Lampe und schreibe diesen Text. Es ist nicht das gleiche.

Bello

Bello hat den ersten Tag durchgängig gequengelt. Ich glaube, er wollte raus, aber gleichzeitig nicht in den Regen. Er hat das gelöst, indem er sich vor die Schiebetür gelegt hat und dort lange ausgehalten hat.

Am zweiten Tag haben wir es gewagt. Ich habe die Regenjacke angehabt, Bello die Hundedecke vom Beifahrersitz als Schirm. Wir sind eine kurze Runde gegangen, Bello hat einen Frosch entdeckt, der Frosch hat sich geweigert wegzuhüpfen, Bello war eine Weile irritiert, dann sind wir wieder rein.

Heute, dritter Tag, liegt Bello die meiste Zeit. Er hat sich an den Stillstand gewöhnt. Mittags hat er Käse bekommen, abends bekommt er nochmal Käse, das versuche ich seit Monaten zu reduzieren, aber bei Regen geht das nicht.

Was am Bus gut ist

Bei dem Wetter merkt man, was am Camper gut ist und was nicht. Die Heizung läuft jetzt seit drei Tagen durchgehend auf niedriger Stufe, und es ist innen angenehm. Die Kondensation an den Fenstern ist überschaubar, weil ich morgens immer kurz quer lüfte, auch im Regen.

Was mich überrascht: die Geräuschdämmung. Der Regen schlägt aufs Hochdach, aber innen klingt es nicht laut, sondern eher wie ein gedämpftes Rauschen. Bello mag das. Ich mag das auch. In meinem Reihenhaus früher hörte ich Regen kaum, das Dach war zu hoch. Hier ist er nah und freundlich.

Morgen

Morgen früh werde ich vermutlich nicht weiterfahren, auch wenn der Regen aufhört. Der Boden ist so weich geworden, dass ich Sorge habe mich festzufahren wenn ich von der Asphaltfläche runter rolle. Ich bleibe also noch einen Tag. Vielleicht läuft Bello dann wieder ohne Decke über dem Kopf.

Ein kleines Stück Schokolade habe ich noch für heute Abend. Mehr Programm steht nicht an.